Unsere Division
NVA-Interessengemeinschaft Halle/Saale - Regionalgruppe „Hermann Vogt“
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An der Mulde eine hölzerne Brücke …. Erlebnisbericht von Oberst a.D. Roland Neuhaus (†) Aus den Anfangsjahren der NVA redaktionelle Bearbeitung durch Oberstleutnant a.D. Gerold Möller
Im Spätherbst des Jahres 1956 betrat der Leiter der Abteilung Gefechtsausbildung des Militärbezirks Leipzig, Oberstleutnant Gutermuth, mein Dienstzimmer. Er verpflichtete mich zu äußerster Geheimhaltung. Dann, nachdem er ein topographisches Kartenwerk von beträchtlichem Umfang auf meinem Tisch ausgebreitet hatte, sagte er: „Wir müssen eine Maßnahme ausarbeiten, bei der nach Auslösung von Gefechtsalarm ein Truppenteil aus dem Raum Halle zum Übungsplatz Annaburg marschiert. Ist dir klar, was in diesem Zusammenhang auf dich zukommt?“ Das wusste ich durchaus. Mit Gründung der Nationalen Volksarmee, war mir im genannten Militärbezirk der Aufbau des Militärtransportwesens übertragen worden. Es war ein Auftrag, den ich voller Tatendrang angenommen hatte. Ganze siebenundzwanzig Jahre war ich erst alt, im Dienstgrad Hauptmann, und schon so eine Verantwortung! Die gesamte Planung und Organisation sowie die Sicherstellung sämtlicher Truppentransporte im südlichen Territorium unseres Landes gehörte zu
meinem Zuständigkeitsbereich. Im vorliegenden Fall hatte ich vorzugeben, welche Straßen und Wege durch das zu alarmierende Regiment genutzt werden konnten, ohne daß es dabei zu einer Beeinträchtigung des volkswirtschaftlichen und zivilen Güter- und Personenverkehrs kam. Es handelte sich um das MSR-17, dem späteren Truppenteil „Fritz Weineck“ in Halle. Ich erhielt zur Unterstützung einen Offizier zu kommandiert, der ein Spezialist für Panzertechnik ist.“ Meine Bitte um einen Fachmann von den Pioniertruppen, wegen der zu passierenden Brücken wurde entsprochen. Verantwortlich für den Gesamtablauf war der Chef des Militärbezirks, Generalmajor Johne, dem ich, um meine Aufgaben lösen zu können, unmittelbar unterstellt wurde. Alle Unterlagen für den möglichen Verlauf der Marschstrecke, hatte ich ihm zur Bestätigung vorzulegen. Nur ihm allein war ich auskunfts- und rechenschaftspflichtig. Er war es auch, der mich in der Vorbereitungsphase zu einer persönlichen Rekognoszierung der in Erwägung gezogenen Straßen und Brücken beauftragte. Es stand also eine Dienstfahrt quer durch den südlichen Teil unserer Republik bevor. Ich verständigte mich mit den Direktoren der damaligen Staatlichen Straßenunterhaltungsbetriebe Leipzig und
Halle, denn durch deren Bezirke sollte das zu alarmierende Mot. Schützenregiment rollen. Ich verabredete mit ihnen ein Treffen. Nicht nur deren Unterstützung, auch deren Erfahrungen brauchte ich. Mit den beiden Direktoren einigte ich mich auf einen Samstag, denn damals wurde an den Sonnabenden noch bis 14.00 Uhr gearbeitet. Die Genossen wollten selbst kommen, zu verschiedenen Zeiten am jeweils für sie günstigen Ort . Da der darauffolgende Tag ein Sonntag war, unterbreitete ich wie nebenher meiner Frau und der Tochter den Vorschlag zu einer Fahrt ins Grüne. Ich wollte das Angenehme mit dem Unaufschiebbaren, Privates mit Dienstlichem verbinden kurzum: unter dem Vorwand familiärer Gemeinschaftlichkeit beabsichtigte ich die altersschwache hölzerne Brücke an der Mulde noch einmal, diesmal für mich allein und in aller Ruhe zu untersuchen weiter …