70 Jahre NVA und 11.MSD
NVA - Interessengemeinschaft Halle/Saale
NVA-Interessengemeinschaft Halle/Saale - Regionalgruppe „Hermann Vogt“
© NVA-Interessengemeinschaft Halle/Saale - Regionalgruppe „Hermann Vogt“
„Die Lage war sehr ernst!“ Schilderungen persönlicher Erlebnissen von OSL a.D., Friedrich Schulze
Im Juli 1968 befand ich mich mit einigen Offizieren meiner Abteilung beim Militärbezirk in Leipzig. Wir arbeiteten neue Nachrichtenbetriebsunterlagen für den Verteidigungszustand aus. Dann wurde ich ganz unerwartet zum Stabschef der Division in Halle, Oberst Fürst, gerufen. Er schilderte mir kurz die militär-politische Lage, die mit den gegenwärtigen Ereignissen in der CSSR zusammenhing. Danach durfte ich noch einmal nach Hause gehen und sollte am nächsten Morgen mit dem Nachrichtenbataillon zum Abmarsch bereit stehen. Man kann sich vorstellen, wie es mir in diesen kritischen Stunden persönlich zu Mute war. Die Situation in der CSSR war derzeit sehr brenzlich und es hätte ja durchaus zum Kriege führen können. Im schlimmsten Fall hätte es am nächsten Morgen sogar ein Abschied von der Ehefrau und meinen beiden Töchtern für immer sein können. Doch das Schicksal war mir gnädig.
70 Jahre Gründung der NVA und der 11.MSD Erinnerungen und Gedanken aus 35 Jahren Kampf für Frieden zurück 1968 weiter
Am 28. Juli 1968 verlegte ich mit dem Divisionsstab in einen Raum in der Nähe des Hermsdorfer Kreuzes. Sofort nach meinem Eintreffen sorgte ich dafür, dass zu allen unseren Truppenteilen der 11. MSD, die jetzt im Raum Eisenberg- Orlamünde- Weida- Röspen lagen, Fernsprechverbindungen aufgenommen wurden. Zur Unterstützung unterstellte man mir eine Richtfunkstelle R-404 von Nachrichtenregiment 2 und zwei TF/WT- Anschalttrupps von Nachrichtenregiment 3. Gleichzeitig stellte ein sowjetischer Trupp abhörsichere WTsch- Verbindungen zum Militärbezirk nach Leipzig und zum Ministerium der NVA her.Aus Gründen der Geheimhaltung und zur Funktarnung, wurde allen Einheiten Funksendeverbot befohlen. Eines Tages traf ich im Wald auf einen älteren Förster. Dieser sagte zu mir, dass wir auf historischem Boden stünden, da hier schon H. seine Truppen 1938 bereitgestellt hatte, um in die Tschechei einzumarschieren. Über diese Äußerung machte ich mir keine unnötigen Gedanken bzw. hat keine großen Gewissensbisse, da ich fest davon überzeugt war, dass wir richtig handelten. Diese hatte jedoch wie sich hinterher heraus stellte Walter Ulbricht, als er unseren Marsch an der Grenze zur CSSR abrupt stoppte. Denn in der Nacht vom 23. Zum 24. August 1968 erhielt unsere Division den Marschbefehl Richtung Karlovy-Vary. Wir bezogen nun einen Raum südlich von Oelsnitz, noch auf dem Gebiet der DDR.