70 Jahre NVA und 11.MSD
NVA - Interessengemeinschaft Halle/Saale
NVA-Interessengemeinschaft Halle/Saale - Regionalgruppe „Hermann Vogt“
© NVA-Interessengemeinschaft Halle/Saale - Regionalgruppe „Hermann Vogt“
„Bevor alles begann - Vom Offiziersschüler der KVP in die 11.MSD,“ OSL a.D. Manfred Kamprat war dabei
1954, ich war im 1.Jahr an der Offiziersschule A der KVP in Döbeln, war ein wirklich schweres "Lehrjahr". Strenge militärische Disziplin und Regeln bestimmten das Leben , mit einer Reihe von ungewohnten Einschränkungen für einen ehemaligen Oberschüler. Die gute Vorbereitung durch die GST-Ausbildung im Schieß- und Geländesport, sowie im vielseitigen Sportunterricht an der Oberschule in Meißen gaben mir die Voraussetzung den Anforderungen standzuhalten. Die 3 Jahre Ausbildung zum Offizier, der Übergang von der KVP zur NVA 1956, erlebte ich als ein schöpferisches Suchen des optimalen Weges, auch versehen mit Fehlern und sich daraus ergebenden Korrekturen. Es galt abzuwägen, wie wir die Lehren vom Kampf der siegreichen Sowjetarmee übernehmen können. Es war aber auch aus Erfahrungen von ehemaligen Angehörigen der Wehrmacht (die aktiv am Aufbau unserer bewaffneten Kräften mitwirkten und zugleich einen Teil der Ausbildungsoffiziere stellten) Schlussfolgerungen abzuleiten. So ein Beispiel war die Regelung/Erprobung, eine Kompanie (ca 80 Mann) nach sowjetischen Vorbild in einem großen Raum
70 Jahre Gründung der NVA und der 11.MSD Erinnerungen und Gedanken aus 35 Jahren Kampf für Frieden zurück 1954 weiter
unterzubringen (Doppelstockbetten, nur ein Hocker, einen kleinen Nachtschrank für persönliche Sachen). Wir haben diese, für deutsche Gewohnheiten ungeeignete Unterbringung, erfreulicherweise nur einige Wochen aushalten müssen. Dann bezogen wir "normale" Gruppenunterkünfte, mit Betten nebeneinander und übereinander sowie mit Spinden. Auch bei der Vorbereitung der Militärparade in Berlin waren Anpassung beim Marschtakt/Tempo an deutsche Normen notwendig. Es gab in der taktische Ausbildung Veränderungen (z. B. 200 m "Hurra-Sturmangriff mit gefällten Bajonett" wurde zu gruppenweisen kurzen Sprüngen). Verbindliche Grundlage der Ausbildung waren und blieben aber immer die übersetzten Vorschriften der Sowjetarmee. Hohe physische Anforderungen, sportliche Leistungen (neben Frühsport auch 3000 Meter Lauf unmittelbar nach der Nachtruhe - also von 0 auf 100, Sturmbahn ,Geräteturnen in Uniform usw.) bedurfte einer körperlichen Umstellung, erforderte einen starken Willen. Eine physische Herausforderung war es auch, schwere Waffen wie den 82er Granatwerfer, das sMG (dabei auch die Lafette) und das DSchK-12,7mm bei langen Märschen (bis zu 40 km) als Tragelast (bis 22 Kg) neben der persönlichen Ausrüstung (Waffe, Rucksack, Schutzmaske usw.) mitzuführen. Das resultierte z.T. auch noch aus dem Fehlen von Transportfahrzeugen. Wir hatten in Döbeln nur einzelne LKW - PHÄNOMEN GRANIT-27 und H3A. Schwerpunkt lag auf der taktischen und "Kampfausbildung" (später: Gefechtsausbildung). Wir wurden an allen damals verfügbaren Waffen ausgebildet, in allen speziellen Funktionen eingesetzt (also K1 bis K4, Panzerfahrer und Kommandant, MG-Schütze Ladeschütze usw.) Wir durchliefen den Leitungsbau (ohne Kabelwagen, auch damit verbunden der Leitungsbau durch die Mulde), Funkbetriebsdienst (hier haben wir uns als Funktrupp mit der FK1 -zwei große Tornister- auf dem Rücken uns mit Fahrrädern fortbewegt), Wir erhielten eine vielseitige Pionierausbildung (mit Sprengausbildung), Schutz- und Sanitätsausbildung und eine politische Bildung, besonders mit dem "Kurzen Abriss der Geschichte der KPdSU". Die Ausbildung am Panzer T-34/85 erfolgte in Plauen (1956 verlegten alle 3 A-Schulen dorthin.